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auch das typische klirren desStahls an ein Mantel- und Degenscharmüt-
zel. Die Kontrahenten tragen jedoch keinen Waffenrock und
auch werden hier Säbel statt Degen gekreuzt. Ei- nem
legendären Musketier gleich, vermag sich der viel Attackierte
das schneidige, aber wohl unerfahrene Trio vom Leib zu halten.
Das unglei- che Duell wird zur Lehrstunde. Nach belieben verteil
er mit seiner Klinge Lektionen. Um sein Leben fürchten,
wie einst die Gegnerschaft der könig- lichen Leibgarde,
muss in der Further Dreifachturnhalle keiner. Treffer ma-
chen sich nicht durch klaffende Wun- den bemerkbar, sondern
schrille Töne und Lichtsignale kommentieren und unterbrechen
die Waffengänge. Auch von Klingen kann eigentlich nicht
die Rede sein, vielmehr ist das 88 Zenti- meter lange, sehr
flexible und stum- pfe Stahlvierkant als Schnittwerkzeug völlig
unbrauchbar. Berührt eine Waf- fe die Schutzkleidung
des Gegners, schließt sich ein Niedervolt-Strom- kreis
und vermeldet untrüglich einen Treffer.
Längst
trägt man auf dem Haupt auch keinen ausladenden Filzhut
mit Fe- dergarnitur sondern blickt durch ein stichfestes Drahtgeflecht.
Erst als die Stichelei zu Ende ist und die Kontra- henten
ihre Masken abnehmen, kom- men verschwitzte Gesichter zum
Vor- schein. Der da so meisterlich, in schwarzer Kluft mit
der Waffe umzu- gehen weiß, entpuppt sich als das Urgestein
des Further Fechtsports. Ernst Wild gehörte mit seinem
Vater zu den Ersten die nach dem Krieg, als es die Anleierten
wieder erlaub- ten, zu Säbel, Degen und Florett griffen.
Der jüngere Bruder Sigi ließ
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sich auch
anstecken. Seither ist der Fechtsport im Grenzland fest mit
der Familie Wild verknüpft. Die
drei No- vizen in weißer Montur haben eben- falls die
Schutzmasken abgenom- men. Dem betagten Trainer hängen
die Jungspunde jetzt an den Lippen, wenn er die zurückliegenden
Attac- ken und Paraden analysiert. Sein Bruder Sigi müht
sich derweilen im Florettkampf. Eine junge Frau steht im gegenüber.
Die 14 Meter langen „Planche“, sozusagen der Boxring
für Fechtsportler, begrenzt das Aktions- feld. In Hüfthöhe
am Rücken laufen die Kabel der Trefferanzeige aus dem
Florett, der Maske und der Schutz- weste zusammen. Die meterlange
Leitung reicht bis an die jeweiligen Enden der „Planche“.
Damit sich keiner im Kabelsalat verstrickt, ver- kürzt
und verlängert sich die dünne Leitung über
Rollen automatisch. Die Kontrahenten beäugen sich. Tippeln
im Ausfallschritt vor und zurück. Mit einigen Finten
auf beiden Seiten wird dem Gegenüber auf den Zahn gefühlt.
Dann eine blitzschnelle Hiebattacke. Sigi
kann parieren, ihr Stoß trifft nur sein Bein. Keine
Punkte, die Treffer- fläche, nur der Rumpf, ist genau
de- finiert. Dann beginnt das Belauern wieder von Neuem. Männer
und Frau- en kreuzen nur im Training die Klin- gen. „Hütte
dich vor einem Weib mit Schwert“ , mahnt eine alte Fecht-
weisheit und belegt den Respekt vorm gar nicht so schwachen
Ge- schlecht. Die Schnelligkeit lässt im Alter nach,
aber das machen die bei- den Wild Brüder mit der immensen
Erfahrung wett. Taktieren, den Geg- ner berechnen, die Chance
abwarten, erkennen und nutzen können. „Fech-
ten ist
wie körperliches Schach, aber
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bedeutend aufregender. Es schärft und reinigt den Geist.“
, schwärmen die Anhänger und der Zweikampf ist
so gut wie verletzungsfrei. Kein de- moliertes Gesicht,
keine ausgekugel- te Schulter, kein Kreuzbandriss. Al- lerdings
gibt es auch Unfälle. Ein russischer Olympiasieger
starb 1982, weil die geborstene Klinge seines Kontrahenten
sich durch die Maske in sein Auge bohrte. Auch Ernst Wild
bekam eine gebrochene Waffe zu spüren, die durch seine
Weste stach und glücklicherweise von seiner Rip- pe
aufgehalten wurde. „Seither ist das Material aber
zuverlässiger gewor- den.“ , beteuert der Fechtsenior.
Vor
16 Jahren belegte er in Lüttich bei den Senioren-Europameisterschaften
im Florett Platz 6. Aber auch viele hoffnungsvolle Talente
hat der Ernst Wild im laufe der Jahrzehnte hervor- gebracht,
Bayrische Mannschafts- meister und Einzeltitel im Jugend-
und Juniorenbereich. „Doch Manchen treibt dann das
Studium, oder der Beruf in die weite Welt hinaus und wir
hier in Furth müssen dann wieder von ganz Vorne anfangen.“,
konstatiert er nüchtern.
Heute hat der Fechtmeister wieder eine Hand voll viel versprech-
ender Eisen im Feuer, auch wenn die noch viele Lektionen
einstecken müs- sen. „Ich werde mein Bestes tun.“
, verspricht der 72 Jährige.

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